Sonntag 17. Dezember 2017

Inhalt:

Roland Girtler

Soziologe und Kulturanthropologe

"Für mich ist Kirche wichtig, weil sie Menschen einander näher bringt (durch Gottesdienste, Pfarrcafe, Wallfahrten usw.), zur Menschenliebe aufruft (bzw. aufrufen sollte), wesentliche auf Gott bezogene Werte durch die Evangelien vermittelt und weiterhin auch einen Bildungs- und Kulturauftrag erfüllt (ganz im Sinne Christi, der selbst als Lehrer auftrat, Frevler aus dem Tempel jagte und überlieferte kulturelle Rituale achtete - z.B. Wein trinkend beim Gastmahl)."

Jozef Niewiadomski

Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Innsbruck

Für mich ist Kirche wichtig, weil ich in der Kirche das Geschenk der "Österlichen Augen" bekommen habe und weil - so paradox es heute klingen mag - nur die Kirche diese "Österlichen Augen" in unserer Welt auch pflegen kann. So wie man unmöglich alleine Fußball spielen kann, kann man auch unmöglich alleine glauben und die "Österliche Sicht" auf das Leben im allgemeinen und die Erfahrung des Versagens im besonderen pflegen. Momentan erliegen wir einem gefährlichen Trugschluss, wenn wir dazu neigen zu glauben, die Kraft der "Österlichen Augen" sei besser in unserer Öffentlichkeit aufgehoben als in der Kirche. Die Öffentlichkeit lebt zuerst aus der Kraft der Illusion über die Möglichkeit des grenzenlosen Aufstiegs einerseits und aus der Kraft der Skandalisierung über den Fall und das Versagen anderseits. Deswegen kennt sie ja nur die "Helden" und die "Versager", die "Reinen" und die "Schweine". Deswegen unterstellt sie gerade der Kirche eine "Reinheit", die sie selber in ihrem Glauben nie beansprucht und prangert an ihr die Schweinerei sondergleichen an. Die Kirche war, ist und auch wird bleiben: eine "sündige Kirche". Und die "österlichen Augen" sehen in ihr und in der Welt von heute: weder die "Reinen", die sich das Versagen nicht leisten können, deswegen dieses auch verschleiern müssen, noch die "Schweine", die immer eine willkommene Projektionsfläche bleiben werden. Die "Österlichen Augen" nehmen Menschen wahr: Menschen, die auch schuldig werden können. Mit "Österlichen Augen" beschenkt, wird der Täter zu seiner Schuld stehen und sich dem "Gericht" stellen. Mit "Österlichen Augen" begnadet wird auch das Opfer zur Versöhnung finden.

Regina Polak

Institutsvorständin am Institut für Praktische Theologie, Universität Wien

Gerade weil es der österreichischen Kirche derzeit so schlecht geht, ist die Chance groß, den Glauben zu vertiefen und besser zu verstehen. So kann – vielleicht – eine tief greifende Verwandlung , auch ihrer Strukturen und sozialen Gestalt stattfinden, die es dringend braucht. Schmerz, Ohnmacht, Zorn können heilsam werden, wenn sie zur selbstkritischen Erinnerung und mutigen Zukunftsgestaltung dienen. Kirche kann wahrhaftiger werden, wenn die Menschen jetzt mitreden, mitdenken mit(und nicht gegen)einander streiten. Und die Kirche kann dann wieder eine glaubwürdige Stimme für eine menschlichere, gerechtere Gesellschaft werden. PS: Die wichtigsten Menschen in meinem Leben habe ich alle in der Kirche kennen gelernt.

Andreas Gjecaj

Generalsekretär der Fraktion Christlicher Gewerkschafter/innen (FCG) im ÖGB

Kirche ist in der Gesellschaft wichtig, weil Religion zu keiner Zeit und an keinem Ort Privatsache war. Nach J. Hörisch prägen „die Münze – die Hostie – der Flachbildschirm“ die Gesellschaft. Entweder die Kirche (re)agiert mit einem weiteren „Rückzug aus der Gesellschaft“, wie z.B. Schließung des Betriebsseminars, ständige Kürzungen bei der Kath. Aktion; oder es gelingt ein Aufbruch, zu mehr Engagement mündiger Laien. Oder wollen Sie in einer Gesellschaft leben, wo nur mehr Geld und Medien zählen? Und mit Menschen, denen nichts heilig ist?

Andreas Maislinger

Vereinsvorsitzender Österreichischer Auslandsdienst

Kirche ist in der Gesellschaft wichtig, weil es nicht nur um Konsum, sondern auch um die Fragen woher komme ich, wohin gehe ich und was ist der Sinn meines Lebens geht. Weiters ist die Katholische Aktion in der Gesellschaft wichtig, weil christlicher Glaube sich auch organisiert und trotzdem eigenständig äußern können sollte.  Letztlich ist die Katholische Aktion in der Kirche wichtig, weil auch die Bischöfe Kontrolle brauchen. Den auch kirchliche Macht braucht Kontrolle.

Felix Unger

Präsident der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste

Eine Gesellschaft kann nur dann überleben, wenn das Leben als der höchste unantastbare Wert gilt. Wir leben in einer teuflischen gottlosen Gesellschaft, der nichts mehr heilig ist. Umso mehr hat die Kirche die dringende Aufgabe, Hüterin der ewigen Werte zu sein, die es zu verbreitern gilt. Der KA ist nicht genügend zu danken, dass sie trotz erschwerter Bedingungen die Nächstenliebe überzeugend lebt und mit ihren Werken den Bedürftigen hilft. Die Menschen suchen in ihrem Leben nach Halt und Sinn. Es geht um die Wahrheit und die macht uns frei.

Stefan Wallner

Bundesgeschäftsführer der Grünen

"Für mich ist Kirche wichtig, weil es Menschen braucht, die in den Gemeinden hinschauen und nicht wegschauen, wenn es um Not geht; weil es Menschen braucht, die in der Gesellschaft anpacken und nicht die Schultern hängen lassen, wenn in schwierigen Zeiten am Zusammenhalt gebaut werden muss. Die Katholische Aktion ist in der Kirche wichtig, weil es kritische Geister braucht, die beide Beine am Boden haben und brennende Problemfelder innerhalb und außerhalb der Kirche direkt ansprechen."

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Mein Beitrag (Zufallsanzeige):

Türtscher Johannes 08.10 2010
KA in der Öffentlichkeit. Ich kam über einen online-Zeitungsartikel zufällig auf diese site und beglückwünsche die KA-Präsidentin, Fr. Derschmidt zu den offenen Worten im Zusammenhang mit dem unglaublichen Vorkommnissen um die jüngsten Abschiebefälle. Es ist an der Zeit, daß Caritas, Diakonie und KA die Samthandschuhe ausziehen und die Dinge beim Namen nennen, da die Fr. Innenminister...

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